23. Juni 2021

Kurz-Interview Roswitha Meyer, Stardust Sinfonie

„Was man liebt, das möchte man schützen. Das Zusammenspiel von Bildern der Erde und unserer Musik erweckt diese Emotionen “. Interview mit Roswitha Meyer von „Stardust Sinfonie“

 


Mit „Sinfonie für unsere Erde“ widmen wir vom 2. bis 4. Juli unserem Heimatplaneten ein Open-Air-Wochenende in der KLIMA ARENA.
Stardust Sinfonie“ ist einer der Kooperationspartner. Sie spielen ihr Konzert „Heimatplanet“, das vielmehr eine Reise aus Bildern und Musik ist, für unterschiedliches Publikum gleich an zwei Tagen. Wir haben mit Roswitha Meyer gesprochen, sie ist Begründerin, konzeptioneller Kopf und Musikerin der „Stardust Sinfonie“.


Frau Meyer, können Sie uns kurz mit Ihren Worten das Konzert-Erlebnis „Heimatplanet“ beschreiben, das die Besucherinnen und Besucher des Open-Air Wochenendes bei den Auftritten der „Stardust Sinfonie“ erwartet?

Wir spielen „Konzept-Konzerte“, die mehrere Sinne ansprechen und miteinander verbinden. Zu unserer klassischen, poetischen Musik werden herrliche Bilder von Flügen um die Erde projiziert. Die Zuschauer nehmen die Position von Raumfahrern ein und blicken so auf unseren Planeten. Die Aufnahmen stammen von NASA und ESA, während des Konzerts klinken wir uns live in die Kameras der ISS, der Internationalen Raumstation, ein.

Diese Bilder aus dem Weltall auf unsere Erde, die fast jeder kennt, fließen normalerweise an uns vorbei, aber wenn man dabei ein Konzert hört, dann verbindet sich das mit den Gefühlen. Der Perspektivwechsel macht etwas mit einem und es ist für uns ungewohnt, wenn Oben und Unten aufgehoben ist oder wir spiegelverkehrt auf die Erde zu blicken.

In der KLIMA ARENA werden Teile des Erlebnisberichts des Astronauten Gerhard Thiele von seiner Forschungsreise ins All unseren Ausflug in den Weltraum ergänzen. Am Sonntag, dem Familientag, kommt ein interaktiver Teil für Kinder hinzu, bei dem die Kinder Bilder in unsere Projektion hineinmalen können.

Wie ist die Verbindung Ihrer Kunst zu den Themen der KLIMA ARENA, Klimaschutz und Nachhaltigkeit?

Unsere Botschaft dabei ist, die Besonderheit, Zerbrechlichkeit und das Schützenswerte unsere Planeten zu zeigen und mit emotionaler Verbindung der Sinne, das Bewusstsein dafür zu stärken, im Hinblick auf den Klimawandel. Die Besucherinnen und Besucher können einfach genießen und chillen, aber können sich auch Gedanken machen. Von uns kommt keine Aufforderung, keine Mahnung, nur Eindrücke und Musik, die Transferleistung „das müssen wir schützen“, entsteht in den Menschen selbst.


Wie kamen Sie auf die Idee der „Stardust Sinfonie“?

Von Kindheit an hatte ich zwei große Interessen Tier- und Umweltschutz und Musik. Die Berufsentscheidung fiel letztlich Richtung Musik. Aber auch das Interesse an Natur- und Umwelt ist immer geblieben und ich habe immer nach einer Lösung gesucht, wie ich die beiden verbinden kann. Mit meinem Umzug nach Potsdam habe ich mich sehr viel mit Klimaforscher*innen beschäftigt, die die Regierung beraten. Bei meiner Teilnahme an Veranstaltungen und im Gespräch mit ihnen, habe ich festgestellt, das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist so trocken und schwierig, das macht es so schwer vermittelbar. Die Problematik des Klimaschutzes: Niemand verhält sich vorsätzlich umweltschädlich, uns passiert es aufgrund unserer Entwicklung als Menschen. Aber wir erkennen auch die negative Entwicklung und müssen umsteuern. Um die Menschen zum Mitmachen zu bewegen, müssen wir den Zeigefinger weglassen, niemand will belehrt werden. Stattdessen müssen die Emotionen der Menschen erreichen, damit sie mit dem Thema Umweltschutz verbunden werden. Nun bin ich Musikerin und Musik berührt die Gefühle – einen Baustein hatte ich also schon.


Frau Meyer, die „Stardust Sinfonie“ ist außerdem Mitglied der „International Planetarium Society“. Wie führte Ihr Wunsch, mit Musik Menschen zu einer nachhaltigeren Lebensweise zu inspirieren, zu Konzerten in Planetarien?

Wenn man Meschen überzeugen möchte, muss man sie begeistern. Denn wenn man etwas liebt, will man es schützen. Ich wollte den Menschen die schönsten Bilder unserer Erde zeigen und sie es fühlen lassen, wie schön, zart und schützenswert die Erde ist, um die Impulse für ein umweltbewussteres Verhalten zu setzen. Als ich überlegte, wie ich diese Bilder so groß zeigen kann, dass das Publikum sie wirklich erlebt, kam ich auf den Kuppelraum von Planetarien. Zum Glück war der damalige Leiter des URANIA-Planetariums Potsdam, Benjamin Husheer, wie auch der heutige, Simon Plate, offen für meine Idee. Bei der „Langen Nacht der Wissenschaft“ konnte ich mein Konzept-Konzert das erste Mal aufführen. Und es funktionierte: Die Leute kamen nicht nur kurz in die Kuppel, sie blieben oder kamen immer wieder! Seitdem habe ich mir Mitstreiter gesucht und sie mit Tilman Albrecht, Hauke Renken und Leo Henry Koch nach und nach gefunden. Wir arbeiten hervorragend als Team und haben unser Basiskonzept gefunden, dass wir an verschiedene Bedingungen der Konzert-Venues anpassen können.


Die Klänge von „Stardust Sinfonie“
stammen von Cembalo, Vibraphon und Flöten. Wie kommt es zu dieser ungewöhnlichen Instrumenten-Auswahl?

Soweit wir wissen, gibt es diese Besetzung außer uns nur einmal auf der Welt. Wir haben ja über meinen Entwicklungsweg mit diesem Projekt gesprochen. Ich spiele Flöte, aber nur Flöte alleine, klingt nicht gut. Anfangs schwebte mir Klavierbegleitung vor, aber mit Klavier Konzertreisen in Planetarien unternehmen, ist nicht gut möglich. Außerdem brauchen die außergewöhnlichen Aufnahmen von unserer Erde und aus dem Weltall außergewöhnliche Musikbegleitung. Das Cembalo, ein Tasteninstrument, das die meisten nur aus der Barockmusik kennen, wird von unserem Musiker so gespielt, dass es klingt als würde es glitzern, das passt zu den Sternen. Ebenso der sphärische Klang des Vibraphons, so dass diese beiden für das Weltall stehen, meine Flötenklänge sind die Vertretung der menschlichen Stimme. Wir schreiben alle Stücke passend auf unsere Instrumente um. Für mich ist das die Belohnung nach vielen Jahren als Orchestermusikerin. Ich spiele meine Lieblingsmusik und muss nichts mehr anderes spielen. Ich bin ganz hingerissen von den musikalischen Möglichkeiten, die sich uns auftun. Mich damit gleichzeitig für den Umweltschutz einzusetzen ist mein Lebenswerk. Stardust Sinfonie“ ist mein Baby, das will ich so lange machen, wie ich es kann.  


Frau Meyer, vielen Dank für das Gespräch!

 

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