26. März 2021

Die Zukunft aktiv gestalten

Beim 56. Landeswettbewerb Jugend forscht wird wie seit vielen Jahren Ideenreichtum belohnt. Die Klimastiftung für Bürger spendete einen „Sonderpreis der KLIMA ARENA“, mit dem zwei „Kursstuflerinnen“ vom Gymnasium St. Gertrudis Ellwangen für ihre Beschäftigung mit „Lebensmittelverschwendung“ ausgezeichnet wurden.

Durch den eigenen Ideenfundus ein Stück Zukunft gestalten – diesen Nachweis erbrachten insgesamt 106 Teilnehmende bei 69 Projekten im Rahmen des Landeswettbewerbs Jugend forscht Baden-Württemberg. In einer aufwändig und liebevoll gestalteten, digitalen „Feierstunde“ aus dem Science Center experimenta in Heilbronn wurden Jugendforscherinnen und Jugendforscher im Alter zwischen 15 und 21 Jahren gekürt. Die Klimastiftung für Bürger hatte sich am hochkarätigsten Jugendforschungs-Wettbewerb Deutschlands beteiligt und einen sogenannten „Sonderpreis der KLIMA ARENA“ gestiftet. Im Fachbereich der Geo- und Raumwissenschaften sicherten sich Theresa Aumann und Flora Hammerl (beide 16 Jahre) vom Gymnasium St. Gertrudis Ellwangen den mit 250 Euro dotierten Geldpreis.

„Schule der Achtsamkeit“

St. Gertrudis, Mädchenrealschule und Gymnasium in einem, ist eine pädagogische Einrichtung, die sich der franziskanischen Tradition und Spiritualität verpflichtet fühlt, eine „Schule der Achtsamkeit“ darstellt und sich seit Oktober 2018 „MINT-freundliche Schule“ nennen darf. In St. Gertrudis haben die technischen wie ethischen Fächer einen hohen Stellenwert – und gerade auch im Bereich der Nachhaltigkeit versucht man Antworten auf tagesaktuelle und künftige Themen zu finden. So gibt es seit 2010 eine eigene Jugend forscht-AG.

Theresa und Flora wurden beim Landesfinale für ihre umwelttechnische Arbeit zum Phänomen der „Lebensmittelverschwendung“ ausgezeichnet. „Sie haben damit auf ein wichtiges Thema aufmerksam gemacht“, sagt Dr. Bernd Welz, Vorstandsvorsitzender der Klimastiftung für Bürger. Das Duo von St. Gertrudis, beide aus der Kursstufe 1, ging der Frage nach, ob Privathaushalte tatsächlich die größten Umweltsünder bei der Lebensmittelverschwendung sind. Dazu haben sie vier Wochen lang in ihren Familien die Abfälle von Lebensmitteln akribisch gewogen, dokumentiert und klassifiziert. Zu ihrer großen Überraschung konnten Theresa und Flora feststellen, dass pro Person und Jahr nur rund acht Kilogramm vermeidbare Lebensmittelabfälle anfielen, und nicht, wie in einigen Publikationen konstatiert, bis zu 180 Kilogramm. Also durften sie den Schluss ziehen, dass die meisten Lebensmittel nicht bei Privathaushalten verschwendet werden, sondern vornehmlich bei vorgelagerten Stellen der Nahrungsmittelkette, also bei Erzeugern und Handel. Demnach muss auch dort der Hebel angesetzt und Abhilfe geschaffen werden.

Beitrag zum Klimaschutz

Somit leisteten Theresa und Fora dank ihrer Hartnäckigkeit und Genauigkeit einen besonderen Beitrag zum Klimaschutz und zu einem nachhaltigen Leben und Wirtschaften, was sich eben auch in der interaktiv ausgerichteten Innenausstellung der KLIMA ARENA erfahren lässt. Neben dem Preisgeld erhalten die beiden „Kursstuflerinnen“ einen Gutschein für einen kostenlosen Besuch in der KLIMA ARENA – einschließlich einer exklusiven Führung.

Das Science Center experimenta und der Landesverband für naturwissenschaftlich-technische Jugendbildung (natec) richteten als „Doppelpaten“ erstmals in diesem Jahr den bereits 56. Landeswettbewerb aus. Landeswettbewerbsleiterin Dr. Marianne Rädle lobte alle 106 Jungforscherinnen und Jungforscher: „Es ist faszinierend, mit wieviel Kreativität und Durchhaltevermögen die jungen Menschen ihre Ideen in die Realität umgesetzt haben.“ Die in Kalifornien aufgewachsene Schauspielerin und „Edutainerin“ Kelly Röhrig und die waschechte Schwäbin Marianne Rädle führten humorvoll und sprachgewaltig durch das zweieinhalbstündige Programm.

Das vielköpfige Experimenta-Team um Geschäftsführer Dr. Wolfgang Hansch legte sich als digitaler Ausrichter im hauseigenen „Science Dome“ mächtig ins Zeug – ähnlich wie im Vorfeld die neuen Preisträgerinnen und Preisträger von „Jugend forscht“. Acht Projekte aus Baden-Württemberg werden sich beim Bundesfinale vom 26. bis 30. Mai erneut präsentieren. Mit „Forschergeist“, Mut und Innovation lässt sich viel bewegen.

Text: Joachim Klaehn