20. Juli 2020

Fit werden fürs Klima

Sechs Kursabende mit Dietmar Bruder stillten den Wissensdurst von 20 „#Klimafit“-Teilnehmern in Sinsheim.

Kursleiter Dietmar Bruder ist eigentlich IT-Manager beim Walldorfer Software-Giganten SAP, doch seit Ende letzten Jahres befindet sich der 58-jährige Neckarsteinacher im Vorruhestand. Also hat er Muße und Zeit, sich eingehender mit den Parametern unseres Alltags unter dem unübersehbaren Einfluss des Klimawandels zu beschäftigen. Seit drei Jahren gibt es einen vom WWF Deutschland und dem Helmholtz-Forschungsverbund Regionale Klimaveränderungen (REKLIM) entwickelten Kurs, dessen Titel und Motto lautet: „#Klimafit – Klimawandel vor unserer Haustür! Was kann ich tun?“

Dietmar Bruder leitete heuer jeweils sechs Abende zweier Kurse in Sinsheim und Brackenheim, die Bestandteile der bundesweit insgesamt 35 Volkshochschul-Kurse waren. Alle standen im Zeichen der Corona-Pandemie, so dass man sich letztlich mit mehreren Zoom-Meetings behelfen musste. 20 Kursteilnehmer betreute Bruder allein in Sinsheim. Sie erhielten zum Abschluss in der KLIMA ARENA ein vom WWF und REKLIM ausgestelltes Zertifikat, das sie als Multiplikatoren ausweist und eine Anerkennung für ihren Wissensdurst bedeutet. „Mit dem Lernzuwachs der Teilnehmer war ich sehr zufrieden“, sagte Dietmar Bruder in seinem Fazit, „leider blieb jedoch zu wenig Zeit, um sich kennenzulernen und sich enger zu vernetzen.“ Ein kleiner Wermutstropfen.
Dennoch: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten ihren Horizont in puncto Klimawandel und Klimaschutz erweitern. Was sind die Ursachen und Folgen des Klimawandels? Vor welchen Herausforderungen stehen wir 2020 als Kommunen wie als Einzelpersonen? Welche Möglichkeiten der Anpassung existieren? Was vermag der Einzelne, gerade in seiner Heimatregion, an Veränderungen umzusetzen?

Während des Kurses gab es dazu zahlreiche Experten-Tipps. Lösungsansätze wurden den #Klimafit-Eleven geboten. Alltagstaugliche Übungen etwa: Wie fahre ich weniger Auto und dafür mehr mit dem Fahrrad? Wie ernähre ich mich gesünder und esse weniger Fleisch? Wie kann ich Heizkosten verringern? In durchgespielten Szenarien konnten die „Klimafitler“ ihre CO2-Einsparungen selbständig berechnen. „Die Botschaften sind klar: Wir sind alle mittendrin im Klimawandel, doch es gibt Lösungen“, so Dietmar Bruder.

Auf der Eventfläche der KLIMA ARENA bekamen die Kursteilnehmer vor der Zertifikats-Überreichung drei Gastvorträge geboten. Philipp Schweigler, Leiter des Forstamtes der Rhein-Neckar-Region, schilderte plakativ und schonungslos die Situation in den benachbarten Wäldern. Geringe Temperaturänderungen ziehen dramatische Auswirkungen nach sich. „Unser Wald ist ein labiles System. Besorgniserregende Schäden sind vor allem an der Buche festzustellen“, sagte Schweigler.

Vorstandsmitglied Florian Oess von der 2010 gegründeten BürgerEnergieGenossenschaft Kraichgau machte den Anwesenden Mut, aktiv zur Energiewende beizutragen. Ob Ökostrom, Ökogas oder E-Mobilität, die in Sinsheim ansässige Genossenschaft (rund 270 Mitglieder) setzt auf Gewinnung und Vertrieb von hundert Prozent regenerativen Energien und eine aktive Bürgerbeteiligung. „Überzeugen Sie Ihre Bekannten und Freunde, damit unsere Ideen noch erfolgreicher werden“, appellierte Oess.

Einblicke ins Thema Logistik und Nachhaltigkeit vermittelte Jens-Jochen Roth vom Steinbeis-Innovationszentrum. Wie kommt die Ware in unsere Regale? Dieser Ausgangsfrage ging Roth nach und legte dar, dass Elektromobilität lediglich als Baustein einer zukunftsfähigen Mobilität zu betrachten sei. Nach wie vor findet der Güterverkehr vornehmlich auf den Straßen (74 Prozent) statt, Schiene (19 %) und Binnenschifffahrt (7 %) nehmen hingegen einen vergleichsweise geringen Anteil ein. „Auch in Zukunft bleibt die Straße dominant“, konstatierte Roth, der von E-Highway-Teststrecken wie zwischen Frankfurt und Darmstadt oder in Groß Dölln/Schleswig-Holstein nicht allzu viel hält, sondern insbesondere in der Citylogistik verheißungsvolle, effizientere Möglichkeiten des Transports sieht.

Unterm Strich zeigten sich Bruder und die Teilnehmer mit dem Klimafit-Kurs zufrieden. „Wir wollen sie zum Handeln und Dialog in ihrem sozialen Umfeld motivieren“, ordnete Bruder die Inhalte der sechs Abende ein. Lena Nickel, Leiterin der Volkshochschule Sinsheim, fand das innovativ ausgerichtete Kursformat ansprechend. „Das Klimathema ist definitiv ein Bildungsthema“, sagte Nickel, „deshalb liegt es uns als Einrichtung der Erwachsenenbildung am Herzen, dies den Bürgerinnen und Bürgern näherzubringen.“

IT-Manager und Kursleiter Dietmar Bruder plant bereits den nächsten Schritt, um die Interaktion zu vertiefen. Ein „Klima-Stammtisch“ in der KLIMA ARENA oder anderswo könnte Community-Geist entstehen lassen. Bruder brüderlich wie pragmatisch: „Man muss die Leute beim Thema Klima und Klimawandel an die Hand nehmen.