Fünf Fragen zum Elektroauto

Habt ihr oder eure Eltern ein Auto? Dann gehört ihr in Deutschland zu einer Mehrheit. Denn zwei Drittel aller Haushalte besitzen ein oder mehrere Autos. Die meisten davon mit Verbrennungsmotor. Sonderlich toll fürs Klima ist das natürlich nicht. Für manche sind daher E-Autos die große Hoffnung. Auf der anderen Seite hört man wiederum, dass es damit auch große Probleme gibt. Aber was stimmt denn jetzt? Zeit, die 5 größten Mythen zum Thema E-Auto genauer unter die Lupe zu nehmen!

Hier kommst du zu dem Video

Mythos 1:
Bis ein Elektroauto einen ökologischen Vorteil hat, dauert es einige Jahre.

Eines ist klar: Um die Umweltbilanz eines Fahrzeuges zu bewerten, muss man auch die Produktion des Autos mitbetrachten. So wie übrigens jeder produzierte Gegenstand, trägt auch das Elektroauto noch bevor es über die Straße rollt, bereits einen „Schadstoffrucksack“ mit sich herum.

Schweden-Studie

Als Beleg für die Behauptung, wird am häufigsten eine Studie aus Schweden zitiert, oft auch „Schweden-Studie“ herangezogen. ForscherInnen des schwedischen Umweltforschungsinstituts IVL veröffentlichten 2017 eine Studie, die sich mit dem CO2-Ausstoß in der Batterieproduktion befassen. Das Problem ist: Meistens wird nicht die Studie selbst, sondern ein Ergebnis, das ein schwedischer Reporter daraus gezogen hatte: Bei der Produktion eines 100kWh-Akku für ein Elektroauto entsteht eine CO2-Ausstoß von 17 Tonnen. Das entspräche einer Fahrdauer von 8 Jahren eines konventionellen Verbrenners. Verschiedenste Medien haben sich genau diese Zahlen herausgegriffen und zitiert. Aber Spoiler Alarm: Wie so oft im Leben, wenn etwas ziemlich Kompliziertes ganz einfach zusammengefasst wird, hat das einen Haken.

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Denn zum einen handelte es sich bei der Studie von 2017 um eine Metastudie, die andere Studien auswertet und zusammenfasst. Die gesichteten Forschungsergebnisse waren allerdings unterschiedlich alt und hatten zudem unterschiedliche Untersuchungsschwerpunkte, so dass die ermittelten Daten nicht unbedingt direkt vergleichbar waren.

2019 veröffentlichte das IVL dann eine Anschlussstudie, die die Ergebnisse von 2017 auf den neuesten Stand gebracht hat. Neben Studien von ForscherInnen wurden hier auch die Ökobilanzen von Autoproduzenten einbezogen. Innerhalb dieser zwei Jahre ist der durchschnittliche CO2-Ausstoß in der Produktion der häufigsten Batterietypen deutlich gesunken.

Die Studie von 2017 errechnet eine CO2-Produktion von 150-200 kg CO2 pro kWh. Zwei Jahre später liegt der Wert nur noch bei 61-106 kg CO2/kWh im Durchschnitt, maximal aber 146 kg/kWh. Das heißt selbst der Maximalwert ist geringer als die Werte der Vorstudie.

Die Ökobilanz der E-Autos verbessert sich permanent

Klar ist: Es tut sich einiges bei Forschung und Entwicklung der E-Autos. Dadurch kann die Klimabilanz immer weiter verbessert werden. Heutige E-Autos kann man in ihrer Ökobilanz also kaum noch mit älteren Modellen vergleichen. Die Ökobilanz der Batterieproduktion zum Beispiel hängt von mehreren Faktoren ab, an denen fortlaufend gearbeitet wird. Dazu gehört eine effizientere Produktion und die Versorgung der Produktion mit erneuerbaren Energien. Die Batteriefabriken werden mehr und mehr auf Strom aus erneuerbaren Quellen umgestellt. Elon Musk hat zum Beispiel schon 2017 verkündet, dass die Tesla-Fabriken vollständig regenerativ betrieben würden. Auch andere, darunter auch Deutsche Autobauer planen eine CO2-neutrale Produktion.

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Mythos 2:
„Die Förderung von Lithium für Akkus ist extrem umweltschädlich!“

Damit ein Elektroauto seinen Antriebsstrom speichern kann, braucht es einen Akku. Das sind genau wie im Handy Lithium-Ionen-Zellen und Lithium-Polymer-Zellen. Die Modelle unterscheiden sich zwar, aber Lithium brauchen sie alle. Im Jahr 2019 belief sich die weltweite Lithiumförderung auf ungefähr 42.000 Tonnen. Lithium gilt als „seltene Erde“. Es wird vor allem in trockenen Gegenden wie dem Bergland von Chile oder Australien gewonnen. Dazu wird Salzwasser an die Oberfläche gepumpt, gefiltert und dann mit Natriumcarbonat behandelt, so dass Lithiumcarbonat ausfällt. Das wird auf großen Flächen getrocknet. Dabei entstehen in der Tat große Schäden an der Umwelt. Weil man dabei große Mengen Salzwasser aus dem Boden pumpt, trocknen diese ohnehin trockenen Gegenden noch stärker aus. Das zurück gepumpte Wasser ist dazu noch so stark versalzen, dass es nicht mehr als Trinkwasser verwendet werden kann. Ganz zu schweigen natürlich von Lebensräumen, die zerstört werden, oder von den Arbeitsbedingungen überhaupt.

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Umweltfreundliche Keramische Batterien ohne Lithium

Insofern hat diese Kritik also einen wahren Kern und klar ist: Das Verfahren zur Lithiumgewinnung muss geändert werden. Aber was wäre, wenn wir überhaupt kein Lithium mehr brauchen, sondern stattdessen auf andere Rohstoffe setzen? Dazu forschen weltweit mehrere Institute zum Beispiel das Fraunhofer Institut für keramische Systeme. Die arbeiten an einer Natrium-Nickel-Chlorid-Batterie, die vollständig ohne Lithium auskommt und stattdessen auf Rohstoffe setzt, die in Deutschland abgebaut werden können. Diese keramische Batterie ist zwar mit einer Kapazität von 1,2 kWh noch nicht für reine Elektroautos geeignet. Aber bereits in diesem Jahr, also 2020, soll eine erste Pilotlinie industriell produziert werden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie möchte außerdem eine Batteriezellproduktion in Deutschland etablieren.

Mythos 3: „Der CO2-Ausstoß bei der Stromerzeugung sorgt dafür, dass das E-Auto keinen Vorteil mehr hat“

Der Vorteil des E-Autos soll ja darin liegen, dass es im Betrieb kein CO2 mehr produziert. Aber was ist, wenn ich mein Auto nun mit Kohlestrom lade, der in Deutschland immer noch den größten Anteil am Strom ausmacht? Nicht jeder hat bei sich zuhause Ökostrom und auch nicht alle öffentlichen Ladesäulen werden mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben. Anteilig folgt direkt nach dem Kohlestrom immerhin Strom aus Windkraft, Tendenz steigend. Wenn ihr mehr zum Thema Windkraft erfahren wollt, haben wir euch hier auf dem i ein Video verlinkt. Wir sind allerdings immer noch bei einem CO2-Ausstoß von 401 Gramm CO2 pro kWh Strommix, der produziert wird. Klar ist: Je größer der Anteil erneuerbarer Energien, desto geringer der CO2-Ausstoß. Das heißt: Wie klimafreundlich ein E-Auto tatsächlich ist, hängt stark davon ab, mit welchem Strom es geladen wird. Je höher der Anteil erneuerbarer Energien am Strom, desto größer der Vorteil gegenüber den Verbrennern.

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Ein Großteil der aktuell fahrenden Elektroautos sind Zweitwagen. Für immer mehr Menschen ist das Elektroauto für den täglichen Gebrauch absolut alltagstauglich. Im Schnitt fährt ein Deutscher nämlich pro Tag nur 30 bis 40 km. Reichweite ist da kein Problem, besonders wenn bequem zuhause, bei der Arbeit oder sogar beim Einkauf die Batterie geladen werden kann.

Mythos 4: „E-Autos lohnen sich gar nicht wegen geringer Reichweite und zu langen Ladezeiten!“

Die Reichweite von Elektroautos verdoppelt sich

Langstrecken und auch Urlaubsreisen machen viele meist mit dem klassischen Verbrenner. Ein möglicher Grund dafür die beschränkte Reichweite von E-Autos sein Die Kapazitäten dieser Batterien liegen aktuell zwischen 30 und ganz selten 100 kWh. Und wie weit man damit kommt ist natürlich schwer pauschal zu sagen. Denn die Reichweite ist von einigen zusätzlich Faktoren abhängig – zum Beispiel, ob man die Bordelektronik dabei nutzt oder wie warm oder kalt es draußen ist. Klimaanlage oder Radio verkürzen die mögliche Reichweite. Damit liegen die Reichweiten der E-Autos bei durchschnittlich 150 bis 400 km. Und das Fraunhoferinstitut für System- und Innovationsforschung geht davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren die Reichweite in etwa verdoppeln wird, also bis etwa 800 km erweitert werden könnte. Nicht nur, weil Batterien verbessert werden. Sondern auch weil der Energiebedarf des Elektroautos und die Chemie der Batterie verbessert werden könnten, was zu einer höheren Reichweite und kürzeren Ladezeiten führt.

Mythos 5:
„Das deutsche Stromnetz kann ja so viele Autos gar nicht gleichzeitig laden! Und gibt es überhaupt genug Ladesäulen?“

Aktuell sind in Deutschland 45 Millionen Autos zugelassen. Würden die alle gleichzeitig auf Elektroautos umgestellt, steigt der Strombedarf natürlich dadurch. Allerdings wohl nicht so stark, wie viele meinen. ForscherInnen gehen von etwa 20 % mehr aus. Vor allem aber passiert das ja nicht von jetzt auf gleich. Das Bundesverkehrsministerium hat bis 2030 eine Zahl von bundesweit 10 Millionen Elektroautos ins Auge gefasst. Und auch die werden sicher nicht zufällig alle gleichzeitig geladen. Experten rechnen mit einem sogenannten „Gleichzeitigkeitsfaktor“ von 30 Prozent, also dass nur 30 Prozent der Autos gleichzeitig geladen werden. Das Aufladen wird dabei voraussichtlich hauptsächlich zu Hause oder beim Arbeitsplatz stattfinden wo langsamer geladen wird und die Last auf das Stromnetz geringer ist als an der Schnellladesäule. Noch dazu muss das Stromnetz bis 2030 ohnehin ausgebaut werden, um unsere Ziele in Sachen erneuerbare Energien zu erreichen.

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Masterplan Ladeinfrastruktur“ für Elektroautos

Ein größeres Problem kann da eher der Platz werden. Nicht jeder hat Platz und Strom vor der Haustür, um sein Auto dort zu laden. Und wer es nicht zuhause laden kann, der muss es dann ja zwangsweise woanders tun. Deshalb kann es vor allem an Autobahnen zu Staus an den Ladesäulen kommen, befürchten Experten. Wir brauchen also mehr Lademöglichkeiten. Die Bundesregierung hat mit ihrem „Masterplan Ladeinfrastruktur“ von 2019 beschlossen, dass sie bis 2022 in Deutschland 50.000 öffentliche Ladesäulen für Elektroautos finanzieren wird. Zusätzlich soll die Autoindustrie 15.000 Ladesäulen errichten. Dazu soll die Einrichtung von Ladesäulen und Schnellladesäulen vor allem an Autobahnraststätten gefördert werden. Bis 2030 soll es insgesamt sogar 1 Million öffentliche Ladepunkte in Deutschland geben. So soll das Elektroauto in Deutschland vom Schleichweg auf die Überholspur gebracht werden.

Fazit: Elektroautos sind schon heute deutlich klimaschonender als Verbrenner

Also. Nochmal zusammengefasst: Grundsätzlich kann das Elektroauto schon heute deutlich klimaschonender als ein Verbrenner sein. Allerdings muss der technische Fortschritt insbesondere in der Batterietechnik noch weiter gehen. Wir brauchen einen höheren Anteil erneuerbarer Energien im Strommix. Und auch die Produktion der Batterien und der Autos selbst muss umweltfreundlicher werden. Die Elektroautos müssen auch für die AutofahrerInnen attraktiver gemacht werden. Vor allem durch mehr öffentliche Ladestationen.

Und generell: Ihr merkt ja selbst, so einfach können wir die Klimabilanz eines EAutos nicht pauschalisieren. Grundsätzlich aber hat die E-Mobilität durchaus Potential, wenn man sich vorher genau überlegt, welche Art E-Auto man überhaupt braucht. Fährt man damit zum Beispiel nur zur Arbeit in der Nähe und ansonsten mal zum Supermarkt, dann muss es kein großes schweres E-Auto mit einer riesigen Batterie sein. Dann tut es auch der kleinere, leichtere Wagen – und die längeren Strecken fährt man dann eben mit der Bahn.

Aber jetzt möchte ich mal wissen, wie ist es denn bei euch? Habt ihr oder eure Familie ein EAuto oder würdet ihr euch in der Zukunft eines kaufen wollen? Wie sind eure Erfahrungen damit? Teilt es doch gerne unten in den Kommentaren mit uns. Und hier neben mir seht ihr jetzt noch ein Video über den Kohleausstieg und ein Video darüber, was Fridays for Future bisher erreicht haben. Danke euch fürs Zuschauen und bis nächste Woche.