Wie schädlich ist Kohleenergie für unsere Umwelt?

2038 – bis dahin will Deutschland spätestens aus der Kohleenergie aussteigen. Klimaaktivstinnen sagen: viel zu spät. Zu umweltschädlich sind die Treibhausgasemissionen, die sie verursacht. Die Kohleindustrie aber meint: alles halb so wild. Kohle ist ein super Energieträger: Sie ist günstig und zuverlässig. Aber was steht eigentlich wirklich hinter der Aufregung für und gegen die Kohlekraft?

Hier kommst du zu dem Video

1. So funktionieren Kohlekraftwerke

Wenn ihr euer Handyladegerät in die Steckdose steckt, dann kommen umgerechnet 30 % des Stroms,  der da in euer Handy fließt, aus einem Kohlekraftwerk. Zum Vergleich: Windkraft hat einen Anteil von 24% und Erdgas einen Anteil von zehn Prozent am erzeugten Strom in Deutschland.[1] Damit man die Debatte um die Kohlekraft versteht, schauen wir uns zunächst den Weg von der puren Kohle bis zur Steckdose an. Egal, ob Braun- oder Steinkohle – die Unterschiede erklären wir euch gleich.

Riesige Kraftwerke, dicke Rauchschwaden, Löcher in der Landschaft. In Deutschland gibt es 111 aktive Kohlekraftwerke.[2] Je nachdem, um welche Art von Kohle es sich handelt, wird sie an unterschiedlichen Orten abgebaut. Steinkohle wird unter Tage, also unter der Erde abgebaut. Die letzten deutschen Steinkohlebergwerke gingen 2018 außer Betrieb.[3] Seitdem importiert Deutschland in großen Mengen seine Steinkohle, im Jahr 2015 waren das mehr als 55 Millionen Tonnen.[4] Steinkohlekraftwerke gibt es vor allem in den alten Bundesländern.[5]

Abgase Klimawandel

Abbau von Braunkohle und Steinkohle

Braunkohle wiederum wird flächendeckend über Tage abgebaut. In Deutschland sind das Rheinland, die Lausitz und Mitteldeutschland die drei großen Braunkohlereviere. Enorme Mengen an Kohle werden dort gewonnen und in die Kraftwerke befördert

Im Kohlekraftwerk angekommen wird die Kohle zu Staub zerkleinert und anschließend verbrannt. Durch die Wärme wird Wasserdampf erzeugt, der wiederum eine Turbine antreibt. Diese ist mit einem Generator verbunden, der dann die Elektrizität erzeugt. Transformatoren erhöhen dann die elektrische Spannung dieses Stroms. So machen sie ihn fit für den Ferntransport über Hochspannungsleitungen. Denn nur so landet er mit genügend Spannung in unseren Steckdosen.[6] Soweit die vereinfachte Kurzfassung.

2. Die Probleme der Kohleenergie

Doch die Gewinnung von Strom aus Kohle ist schon lange in der Kritik. Angefangen bei dem Prozess, wie aus Kohle elektrische Energie gewonnen wird. Der klingt nicht nur sehr aufwendig, sondern er ist es auch. Kohlekraftwerke sind riesige Anlagen mit Kohlemühlen, Wasserpumpen und Kühltürmen. Und die verbrauchen eine ganze Menge Energie – knapp 10 % des Stroms, den die Kraftwerke erzeugen, brauchen sie selbst, um am Laufen zu bleiben.[7] Und danach geht auch nochmal ziemlich viel Energie verloren. Bei allen Kohlekraftwerken bleibt am Ende weniger als 50 % der Energie übrig.[8] Die Braunkohlekraftwerke arbeiten besonders ineffizient. Denn bevor die Braunkohle dort verarbeitet werden kann, muss sie erst noch getrocknet werden, und das verbraucht eine Menge Wärme.[9] Außerdem sind Braunkohlekraftwerke oft ältere Steinkohlekraftwerke. Und je älter die Kohlekraftwerke sind, desto mehr Energie geht bei der Stromproduktion verloren.[10]

Das Thema “Wie schädlich ist Kohleenergie für unsere Umwelt” interessiert dich?

Besuche die KLIMA ARENA Sinsheim und erfahre mehr über die Auswirkungen des Klimawandels hautnah. In spannenden Führungen, tollen Veranstaltungen lernt ihr interaktiv das Thema Klima und deine Handlungsmöglichkeiten kennen. Jetzt informieren!

Kohlenergie verursacht enorme Umwelt- und Klimaschäden

Die größten Nachteile der Kohleenergie sind jedoch die enormen Umwelt- und Klimaschäden, die diese Energieform verursacht. Und die Umweltkosten der Kohlekraft schlagen ziemlich zu Buche in Deutschlands CO2-Bilanz. Alle Kohlekraftwerke zusammen haben 2018 208 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen.[11] Fast ein Viertel der gesamten Menge an CO2, die in Deutschland ausgestoßen wir, geht allein auf die Kohlekraftwerke zurück. Die Emissionen der besonders ineffizienten Braunkohlekraftwerke sind dabei mehr als doppelt so hoch wie die der Steinkohlekraftwerke.[12] Allein die Braunkohlekraftwerke stoßen in Deutschland jährlich dreimal so viel CO2 aus wie der gesamte Verkehrssektor.[13] Da merkt man schon, dass das auf Dauer nicht gut zu den deutschen Klimazielen passt.

Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, hier oben auf dem i findet ihr ein Video dazu, was das 1,5 Grad Ziel ist. Aber zum Kohleausstieg komme ich gleich noch. Denn die Liste der Umweltschäden geht noch weiter. …

Die Umwandlung von Kohleenergie in Strom verursacht Unmengen an Schadstoffen

Wenn ein riesiges Kohlekraftwerk Braun- oder Steinkohle in Strom umwandelt, dann gelangt eine Menge anderer Schadstoffe in die Luft oder ins Abwasser. Nämlich neben CO2 auch Blei, Quecksilber, Arsen, Stickoxid, Schwefeloxid und Feinstaub.[14] Klingt nicht toll und ist es auch nicht. Und vor allem der Feinstaub ist besonders schädlich für den Menschen.

Kohleabbau schadet den Ökosystemen

Kohleabbau Klima

Aber auch in der Natur kann das Setzen auf Kohlekraft einige Schäden anrichten. Der Bau von Bergwerken für die Steinkohle hat an vielen ehemaligen Abbauorten den Boden abgesenkt. Dadurch besteht nun die Gefahr von Überschwemmungen.[15] Beim großflächigen Abbau von Braunkohle über Tage sinkt der Grundwasserspiegel deutlich. Die Wasserversorgung ist so beeinträchtigt und Feuchtgebiete können austrocknen.[16] Die Schadstoffe der Kohlekraftwerke versauern außerdem Gewässer. Darunter leiden die dortigen Ökosysteme.[17] Betrachtet man nur die Energiegewinnung, dann ist Kohlestrom tatsächlich ziemlich günstig. Aber rechnet man die Umweltaspekte mit ein, sieht das schon anders aus.

Denn es ist ziemlich schwierig, die Folgen des Kohlestroms rückgängig zu machen: Gewässer müssen bereinigt und die Wasserversorgung muss angepasst werden. Die Flächen, auf denen früher Braunkohle abgebaut wurde, müssen aufwendig renaturiert werden. Die genauen Kosten hierfür lassen sich zwar nicht genau beziffern, aber sicher ist: Die Kohleenergie kostet auf lange Zeit Geld. Ein Umstieg auf erneuerbare Energie mag zwar auch eine Menge Geld kosten. Aber ein ungebremster Klimawandel wird um Einiges teurer sein.

Was euch auf jeden Fall kein Geld kostet und euch aber mit jeder Menge Infos rund um den Klimaschutz versorgt, das ist übrigens das Abonnieren dieses Kanals. Und wenn ihr auch gleich die Glocke drückt, verpasst ihr gar nix mehr.

3. Lösung: Die Kohlekommission?

Ihr seht schon, die Umweltbilanz der Kohleenergie ist nicht gerade gut. Das Ziel der Bundesregierung ist es deshalb schon länger, aus der Kohle auszusteigen. Doch wann genau das passieren soll, da gehen die Meinungen auseinander. Umweltschützerinnen fordern einen Kohleausstieg so schnell wie möglich. Dagegen sind die Energiekonzerne und die Leute, die für sie arbeiten. Um trotzdem einen Kompromiss in Sachen Kohleausstieg zu finden, hat die Bundesregierung eine Kommission beauftragt: die Kommission für Wachstum, Strukturwandel, und Beschäftigung – auch Kohlekommission genannt. Diese Kommission bestand aus Vertreterinnen der Politik, der Wissenschaft, der Kohleindustrie und der Gewerkschaften. Von Juni 2018 bis Januar 2019 haben sie zusammen eine Empfehlung für die Bundesregierung ausgehandelt, wie Deutschland aus der Kohle aussteigen kann. Und wie dabei möglichst die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden könnten. Kurz und knapp ist die Kommission zu folgenden Ergebnissen gekommen:

  • Es sollen keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut werden.
  • Bis 2030 sollen schrittweise immer mehr Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Ihre Leistung auf weniger als die Hälfte reduziert werden.
  • Spätestens 2038 soll Schluss sein in Deutschland mit der Kohleenenergie. Wenn möglich auch schon 2035.
  • Erneuerbare Energien sollen bis 2030 einen Anteil von 65% an der Stromproduktion haben.[18]

4. Einordnung in Deutschlands Klimaziele

Soweit die Vorschläge, auf die sich die Mitglieder der Kohlekommission einigen konnten. Ende Januar dieses Jahres haben sich dann Bund und Länder zusammengesetzt und darüber diskutiert, wie sie den Vorschlag der Kommission umsetzen. Heraus kam das „Kohleausstiegsgesetz“. Das orientiert sich an dem von der Kohlekommission vorgeschlagenen Endjahr 2038. Es regelt auch, wie diejenigen entschädigt werden, die vom Kohleausstieg betroffen sind, also die Energiekonzerne und deren Beschäftigte. Denn klar, mit dem Kohleausstieg verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz und dafür muss eine faire und soziale Lösung gefunden werden. Außerdem gibt es Vorhaben, die VerbraucherInnen vor zu hohen Strompreisen zu schützen.[19]

So weit so gut in der Theorie. Deutschland steigt also aus der schmutzigen Kohle aus. Ist damit alles gut? Sind wir damit auf Kurs, unsere Klimaziele zu erreichen? Okay, meine rhetorische Frage verrät euch vielleicht schon: So einfach ist das natürlich nicht. Kommen wir also zu einer Einordung.

Das Kohleausstiegsgesetz?

So weit so gut in der Theorie. Deutschland steigt also aus der schmutzigen Kohle aus. Ist damit alles gut? Sind wir damit auf Kurs, unsere Klimaziele zu erreichen? Okay, meine rhetorische Frage verrät euch vielleicht schon: So einfach ist das natürlich nicht. Kommen wir also zu einer Einordung.

Schon kurz nachdem die Bundesregierung das Gesetz beschlossen hat, gab es eine Menge Kritik. 2038 als Ausstiegsjahr sei viel zu spät, damit Deutschland noch seine Klimaziele einhalten kann. Das meinen viele Umweltverbände und Klimaaktivistinnen. Zur Erinnerung: Deutschland möchte bis 2030 seine CO2-Emissionen um über die Hälfte senken, im Energiesektor sogar um 61 %.20 2050 soll Deutschland dann klimaneutral werden.21 Was es mit dem Wort auf sich hat und warum viele dabei oft falsche Vorstellungen haben, erfahrt ihr übrigens in diesem Video.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat in einer Studie herausgefunden, dass Deutschlands Emissionen mit diesen Plänen aber sogar noch steigen werden. Das läge vor allem daran, dass die meisten Braunkohlekraftwerke, also besonders schädliche Kraftwerke, erst sehr spät abgeschaltet werden. Außerdem soll ein neues Steinkohlekraftwerk in Hamburg in Betrieb gehen. Rechnerisch würde Deutschland bis 2040 so ganze zwei Drittel vom nationalem Emissionsbudget verheizen – im wahrsten Sinne des Wortes. Und das nur mit Kohle. Sein Emissionsbudget von 6,6 Milliarden Tonnen CO2 müsste Deutschland aber einhalten.[22] Nur so kann Deutschland nämlich zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad beitragen – sofern dies überhaupt noch so zu schaffen ist. Viele fordern deshalb 2030 als Endjahr für die Kohle, damit Deutschland ausreichend CO2 einsparen kann.[23]

Entschädigungen für Betreiber von Kohlekraftwerken stehen in der Kritik

In der Kritik stehen auch die Entschädigungen für die Betreiberinnen von Braunkohlekraftwerken. Denn nicht nur die Beschäftigten in der Kohleindustrie erhalten Geld, sondern vor allem auch die Energiekonzerne. So soll der Energiekonzern RWE zum Beispiel eine Entschädigung von 2,6 Milliarden Euro erhalten.[24] Solche hohen Summen will der Bund zahlen, obwohl viele Braunkohlekraftwerke nicht mehr rentabel sind und sowieso abgeschaltet werden müssten. Daran haben VertreterInnen aus einigen Umweltverbänden große Kritik geübt.[25] Die Industrie hält dagegen, dass die Kraftwerke wichtig sind, um eine zuverlässige Versorgung zu sichern. Sie befürchten, dass erneuerbare Energien zu unsicher sind, wenn zum Beispiel mal kein Wind weht. Was es damit auf sich hat, das erklären wir euch bald in einem anderen Video.

Fazit: Zu spät – Der Ausstieg aus der Kohleindustrie bis 2038

So, das waren ziemlich viele Infos, hier noch mal zusammengefasst: Das beschlossene Kohleausstiegsgesetz ist wichtig. Es ermöglicht einen verbindlichen Weg für das Ende der Kohleenergie in Deutschland. So wie der Weg derzeit allerdings darin vorgesehen ist, wird es allerdings nahezu unmöglich sein, die Klimaziele der Bundesregierung zu erfüllen. Der Hauptkritikpunkt: 2038 sei schlichtweg zu spät.

Und falls ihr euch jetzt fragt, was das Ganze mit euch zu tun hat: eine Menge ehrlich gesagt. Denn die Folgen des Klimawandels treffen uns alle. Ihr selbst könnt kein Kraftwerk abschalten, aber ihr könnt trotzdem etwas tun: Ihr könntet zum Beispiel Strom von einem Anbieter wählen, der nur erneuerbare Energien nutzt. Das ist schnell gemacht. Und noch etwas sehr Einfaches aber wirksames kann jede und jeder tun: nämlich Strom sparen.

Aber was denkt ihr über den Kohleausstieg, wie die Bundesregierung beschlossen hat? Ist 2038 zu spät? Und achtet ihr eigentlich darauf, woher euer Strom kommt? Schreibt es uns gerne in die Kommentare. Hier ist noch ein Video zu … und … Bleibt sauber und bis dann.

[1] Fraunhofer Institut (Stand 2019) – https://www.energy-charts.de/energy_pie_de.htm?year=2019
[2] Die Beendigung der Energetischen Nutzung von Kohle in Deutschland (Sep. 2018) – S.11 https://www.ecologic.eu/sites/files/publication/2018/3537-kohlereader_final.pdf
[3] Klimaschutz und Kohleausstieg: Politische Strategien und Maßnahmen bis 2030 und daüber hinaus – S. 60 (April 2018) https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-06-25_climate-change_27-2019_kohleausstieg_v2.pdf

[4] Daten und Fakten zu Braun- und Steinkohlen (Oktober 2017) – S.12 https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/171207_uba_hg_braunsteinkohle_bf.pdf[5] Die Beendigung der Energetischen Nutzung von Kohle in Deutschland (Sep. 2018) – S.12[6] https://www.energie-lexikon.info/kohlekraftwerk.html[7] https://www.energie-lexikon.info/kohlekraftwerk.html[8] Die Beendigung der Energetischen Nutzung von Kohle in Deutschland (Sep. 2018) – S.13[9] https://www.energie-lexikon.info/kohlekraftwerk.html[10] Die Beendigung der Energetischen Nutzung von Kohle in Deutschland (Sep. 2018) – S.12, f[11] Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/6_abb_entw-co2-emi_2020-03-11.png[12] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/6_abb_entw-co2-emi_2020-03-11.png[13] https://www.wwf.de/themen-projekte/klima-energie/deutsche-klimapolitik/hintergruende-zur-kohlenutzung-in-deutschland/ (August 2018)[14] Daten und Fakten zu Braun- und Steinkohlen (Oktober 2017), S. 32[15] Daten und Fakten zu Braun- und Steinkohlen (Oktober 2017), S. 27f.[16] Daten und Fakten zu Braun- und Steinkohlen (Oktober 2017), S. 37[17] Daten und Fakten zu Braun- und Steinkohlen (Oktober 2017), S. 38[18] https://www.klimareporter.de/deutschland/das-schlaegt-die-kommission-vor (Januar 2019)[19] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Wirtschaft/kohleausstieg-und-strukturwandel.html, https://www.bmu.de/themen/klima-energie/klimaschutz/fragen-und-antworten-zum-kohleausstiegsgesetz/