Nachhaltige Mode liegt im Trend?

Tote Flüsse, vergiftetes Grundwasser, kaputte Ökosysteme, ausgebeutete Arbeiterinnen. Auch wenn manche Schuhe nur zwanzig Euro kosten, haben sie oft einen hohen Preis. Wir fragen uns in diesem Video: wie schädlich sind unsere Klamotten fürs Klima? Und was können wir selbst tun, um für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen? Zeit für einen klimacheck.

Immer mehr Menschen machen sich mittlerweile Gedanken darüber, woher die Kleidung kommt, die sie tragen. Nachhaltige Kleidung, Fair Fashion oder Ökomode, liegt mittlerweile im Trend. Leider erfährt man als Käuferin oder Käufer oft nicht genau, was nachhaltige Mode wirklich ausmacht. Deshalb wollen wir uns heute mal näher ansehen, worauf man beim Kauf von neuen Klamotten achten kann, und wie man gezielt nach nachhaltiger Kleidung sucht.

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Das Problem mit Fast Fashion

78 Milliarden Euro geben wir in Deutschland jedes Jahr für neue Kleidung aus.[1] Oft kommt diese aus herkömmlichen Modeläden wie H&M, Primark oder ZARA. Dort gibt es ständig neue Kollektionen, weshalb die Kleidung aus diesen Läden auch Fast Fashion genannt wird. Aber was genau ist an Fast Fashion so umweltschädlich? Schauen wir uns das mal am Beispiel eines T-Shirts an.

Zunächst ist da der enorme Verbrauch von Ressourcen. Das fängt schon beim Anbau der Baumwolle an, aus der ein T-Shirt gemacht ist. Baumwolle braucht besonders viel Wasser, um zu wachsen. Außerdem setzen die Bauern Unmengen von Pestiziden ein, um ihren Ertrag zu steigern. Denn Baumwolle ist international sehr gefragt.[2] Diese Pestizide sind jedoch nicht nur schädlich für die Gesundheit der Arbeiter, sie verseuchen auch das Grundwasser. Ein T-Shirt hat also schon eine Menge Umweltschäden verursacht, bevor es überhaupt genäht wird.

Von den Baumwollfeldern geht es dann zu den Textilfabriken – meist in Billiglohnländern wie etwa Bangladesch. Dort wird die Baumwolle weiterverarbeitet und gefärbt. Auch hier kommen eine Menge Schadstoffe zum Einsatz – für ein Kilogramm Kleidung auch mindestens ein ganzes Kilogramm Schadstoffe – wie Kupfer, Arsen oder Cadmium.3 Beim Färben ist wieder eine Menge Wasser nötig, ungefähr 60 Liter für ein einziges Kilo Garn.[4] Erst danach können die Näherinnen den Stoff zu einem Shirt vernähen, das dann wieder über Tausende Kilometer in die Geschäfte hier transportiert werden muss.

Ihr seht also: Die Ökobilanz unserer Kleidung ist gigantisch. Für ein einziges T-Shirt braucht es 3.000 Liter Wasser – das hat das Umweltinstitut München ausgerechnet.[5] Bis es bei uns ankommt, legt das T-Shirt bis zu 18.000 Kilometer zurück.[6] Und auch die CO2 Emissionen der Textilindustrie sind deshalb enorm: Die Herstellung unserer Kleidung hat 2015  weltweit für ungefähr 1,7 Milliarden Tonnen CO2 in der Atmosphäre gesorgt.[7]

Nachhaltige Produktion

So viel zum Umweltaspekt. Doch nicht nur umwelttechnisch ist Fast Fashion fragwürdig. Würdet ihr zum Beispiel mehr als zehn Stunden jeden Tag in einer stickigen Fabrik sitzen wollen? Und das ohne Chance auf Urlaub? Für einen Tageslohn von gerade einmal zwanzig Cent, mit dem ihr mit Glück eure Miete bezahlen könnt?[8] Für viele Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie weltweit ist das Alltag. Zum Beispiel in Billiglohnländern wie Bangladesch, Indien oder Kambodscha.[9] Der günstige Preis geht hier auf Kosten der Angestellten. Neben den Umwelteinflüssen spielt deshalb auch der soziale Aspekt eine wichtige Rolle, wenn es um nachhaltige Kleidung geht.

(evtl. Ihr seht also: neue Kleidung zu kaufen hinterlässt einen riesigen ökologischen Fußabdruck. Aber manchmal ist es gar nicht nötig, sich unbedingt neue Klamotten anzuschaffen. XXX hat uns deshalb ein paar Tipps mitgebracht, wie ihr den Inhalt eures Kleiderschranks aufpolieren könnt – ganz ohne neue Klamotten zu kaufen.)

Wege zur Alternative „Fair Fashion“

(Abmod nach Influcencer: Aber was, wenn man nun doch mal etwas Neues kaufen will?)

Fast Fashion ist unter verschiedenen Aspekten fragwürdig. Die Alternative ist für viele deshalb nachhaltige Mode. Mode, die umwelt- und klimaschonender produziert ist und bei der gleichzeitig die Angestellten in der Kleidungsindustrie fairer behandelt werden. Damit ihr etwas besser durchblickt, erkläre ich euch hier vier Punkte, auf die ihr achten könnt, wenn ihr nachhaltige Kleidung sucht.

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1. Wo kommt die Kleidung her?

Damit ist nicht nur der Laden gemeint, in dem ihr eure neuen Klamotten kauft. Aber auch auf das Etikett der Klamotten ist nicht immer Verlass. Nur weil „Made in Italy“ auf dem Zettelchen steht, ist nicht immer „Made in Italy“ drin. Denn auf dem Etikett muss lediglich das Land stehen, in dem der letzte Schritt der Produktion stattfand.[10]

Inzwischen gibt es viele Onlineshops, die sich auf nachhaltige Mode spezialisiert haben. Ecoalf, Armedangels, Bleed, Greenality um mal ein paar Beispiele zu nennen. Wir haben euch dazu auch mal einige Infos unten in der Infobox verlinkt. Einige dieser Shops geben zum Beispiel an, in genau welchen Fabriken die Klamotten produziert wurden. Einige können sogar die Ware bis zum Baumwollfeld zurückverfolgen. Wenn ihr das nächste Mal einen Online-Shop im Internet besucht, achtet doch mal darauf, ob ihr genaue Angaben zur Herkunft der Klamotten und Materialien findet.

Und nicht nur Online, in vielen Städten gibt es auch lokale Geschäfte, in denen man sich direkt vor Ort durch nachhaltige Mode stöbern kann. Auch dazu haben wir euch unten was verlinkt.

2. Aus welchem Material sind die neuen Klamotten gemacht?

Vermeidet möglichst Kunststofffasern. Denn schon ein Blick auf die Emissionen zeigt, dass Baumwolle in diesem Aspekt klimafreundlicher ist: Bei der Herstellung eines T-Shirts aus Polyester werden 5,5 Kilogramm CO2 freigesetzt, im Falle eines T-Shirts aus Baumwolle „nur“ 2,1 Kilogramm CO2.[11] Wie schon gesagt, Baumwolle ist nicht ganz unproblematisch, vor allem wegen des hohen Wasserverbrauchs. Dennoch könnt fürs Erste darauf achten, nach Klamotten aus Naturfasern wie Biobaumwolle oder Leinen Ausschau zu halten. Der CO2-Ausstoß ist dann in der Regel geringer und die Klamotten kommen häufiger ohne Schadstoffe aus.

Baumwolle Polyester Vergleich

3. Siegel gut, alles gut?

Um euch beim Kauf zu helfen, gibt es sogar Siegel, die Ökomode auszeichnen. Also, müsste es ja eigentlich ganz simpel sein: Ihr schaut einfach nach, ob die Kleidung, die ihr kaufen wollt, mit einem Nachhaltigkeitssiegel ausgezeichnet wurde. Schon seid ihr auf der sicheren Seite, oder?

Naja das kommt darauf an. Es gibt einige Nachhaltigkeitssiegel, die teilweise unterschiedliche Dinge versprechen. Manche konzentrieren sich auf die Arbeitsbedingungen der Angestellten, manche auf die Gewinnung der Rohstoffe, die für die Kleidung genutzt wurden. Und manche beziehen sogar alle verschiedenen Faktoren mit ein. Teilweise haben große Modeketten auch ihre eigenen Auszeichnungen für nachhaltige Mode, stellen aber die Kriterien dafür selbst auf. Da muss man im Zweifel also ganz genau schauen, was ein Siegel genau bedeutet. Dennoch gilt: Auch wenn es innerhalb der Nachhaltigkeitssiegel Unterschiede gibt: Jedes Siegel ist besser als kein Siegel.

Wir haben für euch aber mal ein paar Siegel genauer unter die Lupe genommen und stellen hier die drei wichtigsten unabhängigen Siegel für nachhaltige Kleidung vor.

Das IVN-Siegel

Das IVN Best Siegel gilt als eines der strengsten Labels der Textilbranche. IVN ist die Abkürzung für den Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. Das Label nimmt die gesamte Produktionskette eines Kleidungsstückes in den Blick. Es erlaubt nur Naturfasern aus biologischem Anbau und verbietet umweltschädliche Substanzen.[12] Auch die sozialen Aspekte stehen im Fokus: Arbeitnehmerinnen sollen beispielsweise das Recht auf Gewerkschaften haben.[13] Etwas verbreiteter ist das Siegel des Global Organic Textile Standards GOTS. Dieses Siegel wird ebenfalls vom IVN vergeben. Hier gelten dieselben Richtlinien, aber deren Einhaltung wird weniger streng kontrolliert.[14]

Das Siegel „Grüner Knopf“

Der „Grüne Knopf“ ist ein staatliches Siegel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit. Die Vorgaben für dieses Umweltsiegel kommen vom Ministerium. Derzeit gibt es 46 Kriterien. Diese betreffen den Umweltschutz, wie zum Beispiel das Verbot von Weichmachern und Grenzwerte für Abwasser, aber auch die Sicherheit von Beschäftigten.15 Das Siegel prüft allerdings noch nicht alle Produktionsschritte, wie den Anbau von Rohstoffen. Auch ist nicht klar, was passiert, wenn ein Unternehmen die Anforderungen nicht einhält.16

Fairtrade und Oeko-Tex

Noch verwirrender kann es bei Fairtrade-Labeln werden. Hier gibt es zum Beispiel eins, das nur den Anbau von Baumwolle überprüft.[17] Ein anderes überwacht auch den Herstellungsprozess von Kleidung. Jedoch fallen hier Umweltaspekte weniger ins Gewicht als soziale Verantwortung.[18]

Dann gibt es noch das Oeko-Tex Etikett mit dem Gänseblümchen. Das Siegel tragen jede Menge Klamotten, die man oft auch in den großen Modeläden finden kann. In Sachen Nachhaltigkeit liegt es allerdings nicht weit vorn. Es macht nur Aussagen darüber, wie stark das fertige Kleidungsstück mit Schadstoffen belastet ist.[19]

Klingt alles etwas kompliziert. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, genauer hinzuschauen. Als Tipp könnt ihr euch merken, auf folgende Punkte zu achten: Kann der Online-Shop genaue Angaben dazu machen, wo die Kleider produziert wurden? Und In puncto Siegel: Die Prüfkriterien sollten möglichst den gesamten Produktionsprozess der Kleidung abdecken – vom Baumwollanbau über Färbemittel bis zur Lieferung nach Deutschland. Versucht auch, zu erfahren, wer die Einhaltung der Kriterien prüft. Ist es dasselbe Unternehmen, das auch die Kriterien aufstellt? Dann solltet ihr skeptisch werden. Wir haben noch ein paar Links für euch in die Infobox gepackt, damit ihr euch ausführlicher über Siegel für nachhaltige Klamotten informieren könnt.

Fairtrade Logo

4. Ist weniger doch mehr?

Wahrscheinlich werden euch zwei Dinge auffallen, sobald ihr strenger auf Siegel achtet. Zum einen ist die Auswahl an Klamotten dadurch ziemlich geschrumpft. Und zum anderen sind viele davon jetzt gar nicht mehr so preiswert – sondern ziemlich teuer. Diesen häufigen Nachteil kann man nicht verschweigen. Nachhaltige Klamotten muss man sich leisten können – und wollen. Aber wenn wir mal ehrlich sind, warum kaufen wir eigentlich Kleidung? In den seltensten Fällen kaufen wir uns neue Klamotten, weil wir sonst wirklich gar keine haben, die neuen Stücke also wirklich unbedingt brauchen. Wir kaufen die Sachen aus verschiedenen Gründen: Vielleicht, um uns auszudrücken, vielleicht, um dazu zu gehören. Vielleicht auch einfach, weil wir gerne einkaufen oder gerne regelmäßig neue Klamotten tragen. Aber genau da kann man sich selbst ja hinterfragen: Warum kaufe ich dieses oder jenes jetzt? Brauche ich das wirklich? Und fühlt es sich vielleicht auch mal gut an, klima- und umweltbewusst eine Kaufentscheidung zu treffen? Weniger kaufen, dafür bewusst und bessere Sachen könnte also eine gute Lösung sein. Eigentlich ganz ähnlich wie beim Fleisch. Dazu haben wir schon ein eigenes Video gemacht, das ich euch hier verlinke.

Organische Kleidung

Knapp die Hälfte der neu gekauften Hosen landet nach weniger als drei Jahren wieder im Müll.20 Wir sollten es uns deshalb lieber zweimal überlegen, ob wir wirklich nigelnagelneue Klamotten brauchen. Wie wäre es zum Beispiel mit Second-Hand-Mode? Oder Kleidertausch? Klingt zwar altmodisch, aber so was gibt es fast überall – online, im Laden oder auf Flohmärkten – und natürlich auch privat könnte man so etwas mit Freunden organisieren.

Ihr merkt, Nachhaltigkeit bei Kleidung ist ein komplexes Thema und nicht immer so einfach. Was sagt ihr denn dazu? Achtet ihr, woher eure Kleidung kommt und darauf, welche Siegel sie trägt? Oder ist es euch nicht so wichtig, ob eure Kleidung klimaneutral ist? Was übrigens Klimaneutralität bedeutet, dazu findet ihr hier noch ein Video und hier noch ein Video zum Meeresspiegelanstieg. Vielen Dank und bis nächste Woche.

[1] https://www.vzhh.de/themen/umwelt-nachhaltigkeit/kleidung-textilien/korrekte-klamotten

[2] http://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie295_textilbuendnis.pdf, S. 10

[3] https://www.quarks.de/umwelt/kleidung-so-macht-sie-unsere-umwelt-kaputt/

[4] https://www.quarks.de/umwelt/kleidung-so-macht-sie-unsere-umwelt-kaputt/

[5] http://www.umweltinstitut.org/fileadmin/Mediapool/Druckprodukte/Landwirtschaft/PDF/Faltblatt_Schmutzige_Kleidung.pdf

[6] https://www.gruener-knopf.de

[7] https://www.wbur.org/hereandnow/2019/12/03/fast-fashion-devastates-environment

[8] Lohn für ungelernte Näherin in Äthiopien: http://www.bmz.de/de/mediathek/publikationen/reihen/infobroschueren_flyer/infobroschueren/Materialie295_textilbuendnis.pdf, S. 15

[9] https://www.quarks.de/umwelt/kleidung-so-macht-sie-unsere-umwelt-kaputt/

[10] http://www.umweltinstitut.org/fileadmin/Mediapool/Druckprodukte/Landwirtschaft/PDF/Faltblatt_Schmutzige_Kleidung.pdf

[11] https://www.quarks.de/umwelt/muell/fakten-zu-mikroplastik/

[12] https://utopia.de/siegel/naturtextil-ivn-zertifiziert-best-naturleder/

[13] https://www.verbraucherzentrale.sh/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/faire-kleidung-das-bedeuten-die-siegel-7072

[14] https://utopia.de/ratgeber/siegel-kleidung-textilien-ohne-gift-textilratgeber-greenpeace/

[15] https://www.gruener-knopf.de/

[16] https://www.verbraucherzentrale.sh/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/faire-kleidung-das-bedeuten-die-siegel-7072

[17] https://www.siegelklarheit.de/22-fairtrade-baumwolle

[18] https://www.siegelklarheit.de/39-fairtrade-textile-production

[19] https://www.siegelklarheit.de/16-oeko-tex-100

[20] https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20151123_greenpeace_modekonsum_flyer.pdf