Der Klimawandel bedroht unsere heimische Tierwelt

Wenn ihr an durch den Klimawandel bedrohte Tiere denkt, dann denkt ihr bestimmt unter anderem direkt an, klar: den Eisbären. Doch wir brauchen nicht in die Arktis reisen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Oft reicht auch schon ein Blick aus dem Fenster. Denn auch bei uns gibt es einige Tierarten, die definitiv nicht zu den Gewinnern des Klimawandels zählen.

Wir stellen euch heute fünf heimische Tiere vor, denen der Klimawandel ziemlich zu schaffen macht. Los geht’s.

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Der Kuckuck

Starten wir mal mit einem Tier, das ihr alle kennt, von dem aber tatsächlich die wenigsten wissen, dass es bedroht ist: Der Kuckuck. Bekannt ist er nicht nur wegen seines markanten Rufes, sondern auch wegen seiner Brutart. Der Kuckuck brütet nämlich nicht selbst, sondern legt seine Eier in die Nester fremder Vögel. Das Ei, das das Kuckucks-Weibchen in das Nest legt, sieht denen der „Gasteltern“ zum Verwechseln ähnlich, sodass diese es ohne Bedenken ausbrüten. Ist das Kuckucks-Junge geschlüpft, beginnt es sofort, die anderen Eier bzw. Küken aus dem Nest zu werfen.

Doch genau in dieser Art des „Brütens“ liegt das große Problem des Kuckucks. Der Kuckuck ist ein Zugvogel und gehört zu den sogenannten Langstreckenziehern. Das heißt, jedes Jahr zieht der Kuckuck Anfang August von Deutschland aus los in seine Überwinterungsgebiete südlich des Äquators in Afrika. Bei seiner Rückkehr orientiert sich der Vogel an der Tag- und Nachtlänge. Daher kehrt er erst im April nach Deutschland zurück. [1]

Doof nur, dass die Vögel, in deren Nester der Kuckuck seine Eier legt, häufig nur Kurzstreckenzieher sind oder sogar gleich in Deutschland überwintern. Sie orientieren sich für ihren Brutbeginn an der Temperatur und den Pflanzen.[2] Und wegen des Klimawandels wird es im Schnitt immer früher warm und der Frühlingsbeginn rückt immer weiter nach vorne. Im Jahr 2020 begann der Vorfrühling etwa bereits am 22.01.[3] Der Vorfrühling ist der Beginn der Vegetationsphase in der Natur. Er läutet das Ende des Winters ein. Bedeutet aber auch: Je früher es Vegetation gibt, desto eher werden die Tiere aktiv.

Die Folge: Wenn der Kuckuck in Deutschland ankommt, dann sind viele der Arten, in deren Nester er seine Eier legt, bereits mitten in der Brut. Somit fallen die falschen Eier des Kuckucks schneller auf und werden aus dem Nest geschmissen. Der Kuckuck kommt also einfach zu spät und es gibt immer weniger Kuckucks-Nachwuchs. Schon jetzt kann man einen deutlichen Rückgang unserer Kuckucksbestände beobachten.[4]

Außerdem haben britische Forscher in einer Studie festgestellt, dass der Klimawandel noch eine weitere Folge für den Kuckuck hat: Sie haben das Zugverhalten der Vögel untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass der Kuckuck auf seiner Reise nach Süden zwei Routen nutzt: Eine „Westroute“ über Spanien und Marokko und eine „Ostroute“ über Italien und den Balkan. Dabei haben die Forscher bei der Westroute eine höhere Sterblichkeit gemessen. Als mögliche Gründe geben die Forscher zunehmende Dürren in Spanien an. Auch klimabedingte Landschaftsveränderungen können dazu führen, dass die Vögel weniger Rastmöglichkeiten finden.[5] Vögel, die über Spanien fliegen, haben weniger Energiereserven und überstehen später die Überquerung der Sahara seltener.  Der Kuckuck ist also gleich in zweierlei Hinsicht Opfer der Erderwärmung.

Die Bachforelle

Weiter geht’s mit dem nächsten Tier – und wir wechseln von der Luft ins Wasser: Die Bachforelle ist ein beliebter Speisefisch. Doch bald könnte sie von den Speisekarten verschwinden, denn auch sie ist stark vom Klimawandel bedroht.

Unserer Gewässer werden immer wärmer, das ist Fakt. Das bedeutet für die darin lebenden Tiere neben höheren Temperaturen aber auch: weniger Sauerstoff. Denn je wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff kann es aufnehmen.[6] Die Fische in unseren Gewässern leiden also zunehmend an Sauerstoffmangel. Auch in tiefere Wasserschichten abzutauchen bringt ihnen keine Erleichterung, denn dort ist das Wasser durch Einleitungen wie Gülle oft verunreinigt. Habt ihr schon einmal Fische gesehen, die an der Oberfläche nach Luft schnappen? Das ist ein ziemlich eindeutiges Zeichen auf Sauerstoffmangel. Und wie wir Menschen auch ist die Bachforelle gestresst, wenn sie sich nicht wohlfühlt. Wer gestresst ist, der braucht mehr Sauerstoff und Nahrung. Beides ist knapp in überhitzten Gewässern. Immer mehr Forellen ersticken oder verhungern.

Tierwelt Bachforelle

Und wie beim Kuckuck meint es der Klimawandel gleich zweimal schlecht mit der Bachforelle: Die erhöhten Temperaturen begünstigen die Ausbreitung von Parasiten, die eine eigentlich harmlose Nierenerkrankung hervorrufen. Betonung auf eigentlich. Denn wenn die Wassertemperaturen mehrere Wochen konstant über 15 °C liegen, dann bricht diese Krankheit besonders bei jungen Forellen aus und führt zu Nierenversagen. [7], [8] Außerdem fühlen sich die kleinen Tierchen, die den Parasiten auf die Forellen übertragen, in warmem Wasser pudelwohl. Dieser Parasit ist übrigens schon seit den 80er Jahren in deutschen Gewässern nachgewiesen. Bisher war er aber, wie bereits gesagt, kein Problem, auch nicht für den Fischfang. Das wird sich mit dem Klimawandel ändern, denn dann könnten bis zu 80% der heranwachsenden Forellen an dieser Krankheit sterben.

Der Moorfrosch

Kommen wir zum nächsten Tier: Der Klimawandel hat natürlich nicht nur Einfluss auf Fische. Auch andere, auf das Wasser angewiesene Tiere, sind betroffen. Wie der Moorfrosch. Mit maximal 7 Zentimetern gehört er nicht wirklich zu den Riesen und mit seiner braunen Farbe übersieht man ihn gerne mal. Nur zur Laichzeit färben sich die Männchen in einem leuchtenden Blau. Doch bald könnte er völlig aus dem Landschaftsbild verschwinden.

Wie sein Name schon verrät, kommt der Moorfrosch vor allem in Gebieten mit hohem Grundwasserstand vor, wie zum Beispiel in Niedermooren oder Nasswiesen.

Doch warum ist dieser kleine Frosch so wichtig? Frösche, oder Amphibien allgemein, gelten als Zeigertiere für eine gute Lebensraumqualität. Geht es dem Moorfrosch gut, dann geht es auch unseren Mooren und Auen gut. [9] Doch wie der Moorfrosch, sind auch die stark gefährdet. Nur noch 5% der Moore in Deutschland werden als naturnah eingestuft.10 Von den deutschen Flussauen sind nur noch 10% ökologisch intakt.[11], [12]

Die Moorfrösche weichen aufgrund der fehlenden Lebensräume auf kleinere Gewässer aus. Diese trocknen jedoch immer häufiger aus, da die Sommer wärmer werden.[13] Als Frosch braucht er die Gewässer nicht nur als Lebensraum, sondern auch als Laichgebiete. Klar, die Kaulquappen leben ja im Wasser.

Und noch einen Effekt gibt es durch den Klimawandel: Durch übermäßige Nährstoffeinlagerungen wie Stickstoff und Phosphor, aus z.B. der Industrie, Kläranlagen und dem Verkehr kommt es zu einem erhöhtem Wachstum von Algen in den Gewässern. Das Zeug schwimmt oben auf den Gewässern, wodurch weniger Licht auf den Boden gelangt. Damit bleibt weniger Licht für andere Pflanzen und Tiere, auch für den Moorfrosch und seine Nachkommen. Wie wir Menschen auch brauchen die Kaulquappen nämlich das Licht, um Vitamin D zu bilden. Bekommen sie nicht genug davon, dann können z.B. ihre Vorderbeine verkümmern. Hier wirken also Mensch und Klimawandel Hand in Hand – im negativen Sinne.

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Der Natterwurz-Perlmutterfalter

Bitte wer? Okay, vom Natterwurz-Perlmutterfalter haben sicher die Wenigsten von euch schon einmal gehört, aber wir sollten trotzdem über ihn reden. Zugegeben: Er sieht mit seiner braunen Farbe auch eher unspektakulär aus. Aber wie der Frosch, ist auch dieses Faltertier mit dem absurden Namen ein wichtiger Bestandteil funktionierender Ökosysteme: Auf der einen Seite dient der Falter als Nahrung für größere Tiere wie Vögel oder Fledermäuse, andererseits ist er aber auch wichtig zur Bestäubung der Pflanzen. Wenn die Falter weniger werden, fehlt also auch ein wichtiges Bindeglied im Ökosystem.

Dieser Schmetterling ist ein Spezialist, das heißt, er hat sich auf eine ganz bestimmte ökologische Nische angepasst. Und genau diese Anpassung wird ihm durch den Klimawandel zum Verhängnis. Wie alle Schmetterlinge startet auch dieser hier mal als Raupe. Diese Raupen fressen allerdings nur eine ganz bestimmte Pflanze – den Wiesenknöterich.

Der Natterwurz-Perlmutterfalter kann nur in Regionen leben und sich vermehren, in denen es auch Wiesenknöterich gibt. Hinzu kommt, dass es der Falter eher kühl mag. [14] In Deutschland findet man ihn deshalb eher in höher gelegenen Gebieten, wie zum Beispiel dem Schwarzwald. Doch auch dort steigen die Temperaturen.

Forscher haben verschiedene Szenarien analysiert, wie sich der Klimawandel auf die Verbreitung des Falters und des Wiesenknöterichs auswirkt. Sie haben die Verbreitung beider Arten getrennt simuliert, um dann die Größe des Überschneidungsgebiets zu bestimmen, in denen beide Arten leben könnten. Durch die höheren Temperaturen könnte der Falter nach Norden in Richtung Skandinavien wandern, wo es kühler wäre. Auch für den Wiesenknöterich könnte es dort optimale Bedingungen geben. Blöd nur, dass Pflanzen längst nicht so schnell wandern können wie Tiere. Selbst wenn der Falter also bis nach Skandinavien vordringen sollte, die Pflanze kann da nicht mithalten. Der Klimawandel holt den Natterwurz-Perlmutterfalter wohl oder übel ein.

Der Feldhamster

Zum Schluss wird es niedlich. Der Feldhamster lebt, wie sein Name schon verrät, auf dem Feld. Oder sollte ich besser sagen lebte? Denn er ist enorm bedroht.Wie seine kleineren Verwandten hat auch der Feldhamster eine eher kurze Lebensspanne, so etwa 2 Jahre. Umso wichtiger ist es deshalb, dass er viele Nachkommen bekommt. Aber in letzter Zeit sieht es eher schlecht aus mit Feldhamsternachwuchs. Warum?

Feldhamster bekommen in der Regel zwei Mal im Jahr Nachwuchs. Ihre Jungen ernährt die Feldhamster-Mama dann mit dem Getreide auf den Feldern. Beim ersten Wurf klappt das noch. Doch um den zweiten Wurf im Jahr steht es schlecht. Heute werden Felder immer früher abgeerntet und so findet das Feldhamster-Weibchen einfach zu wenig Nahrung für die Kleinen. Außerdem werden die Getreidehalme viel zu kurz abgeerntet, sodass die kleinen Feldhamster viel leichter von Fressfeinden erspäht werden können, wenn sie den Bau verlassen. [15]

Aber natürlich war‘s das noch nicht mit den Problemen des niedlichen Nagers. Denn die Nahrung ist nicht nur für den Nachwuchs zu knapp. Sie finden nämlich auch selbst immer weniger Vorräte für den Winterschlaf. Den verbringen sie gewöhnlich in ihrem Bau etwa zwei Meter unter der Erde.16 Für diesen Winterschlaf ist es außerdem ziemlich wichtig, dass Schnee liegt.17 Denn der schützt die Nager vor Regen und kalten Temperaturen. Wie es mit dem Schnee in den letzten Jahren bestellt war, das wisst ihr ja selber. Stattdessen regnet es immer öfter im Winter. Und das hat zur Folge, dass die Böden auch in zwei Meter Tiefe immer feuchter werden.

Tierwelt Hamster

Der Sinn des Winterschlafs ist ja eigentlich, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Doch feuchtes Fell durch hohe Bodenfeuchtigkeit isoliert schlechter und somit steigt der Energieverbrauch der Hamster. Sie verlieren während der Wintermonate immer mehr Körpergewicht. Und wenn die Feldhamsterdame unterernährt ist, bekommt sie keinen Nachwuchs. Mit gravierenden Folgen für die Population und das gesamte Ökosystem. Denn der Feldhamster ist enorm wichtig als Beutetier für Raubvögel und andere Kleinräuber.

Ihr seht: Die Folgen des Klimawandels für unsere Tierwelt sind enorm. Wir haben euch heute nur fünf Tiere vorgestellt, doch die Liste der gefährdeten Tiere ist viel länger. Alle 10 Minuten ca. stirbt eine Tier- oder Pflanzenart auf der Welt aus.[18] Damit passiert das Aussterben der Arten etwa 1000mal schneller, als die Entstehung neuer Arten – und das ist ein echtes Problem. Das geht auch an Deutschland nicht spurlos vorbei. Weil das aber so schleichend passiert, ist es leicht, das zu übersehen.

Hättet ihr gewusst, dass der Klimawandel so verschiedene Auswirkungen auf unsere heimischen Tiere haben kann? Und kennt ihr noch mehr Tiere, die vom Klimawandel bedroht sind? Schreibt sie uns doch gerne in die Kommentare!

[1] https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/2008-kuckuck/07193.html

[2] http://www.klimaretter.info/umwelt/hintergrund/19398-wenn-der-ruf-des-kuckucks-verstummt

[3] https://www.dwd.de/DE/leistungen/phaeno_uhr/phaenouhr.html

[4] https://www.dda-web.de/downloads/publications/statusreports/statusreport_uebersichten_bestandssituation.pdf

[5] https://www.nature.com/articles/ncomms12296.pdf

[6] https://www.mdr.de/wissen/fische-fluesse-seen-sommer-hitze-folgen-100.html

[7] https://www.researchgate.net/profile/Albert_Ros/publication/316455382_PKD_in_Baden-Wurttemberg_Erreger_Verbreitung_und_Klimawandel/links/58ff5d61a6fdcc8ed50da472/PKD-in-Baden-Wuerttemberg-Erreger-Verbreitung-und-Klimawandel.pdf

[8] https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s12302-009-0043-7.pdf

[9] https://moorfrosch.info/

[10] https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/naturschutz/landschaftswasserhaushalt.pdf

[11] Ebenda

[12] https://www.eea.europa.eu/de/signale/signale-2018/artikel/klimawandel-und-wasser-waermere-ozeane

[13] https://www.hessenschau.de/panorama/was-der-klimawandel-mit-hessens-tieren-macht,klimawandel-hessen-tiere-100.html#frosch

[14] https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/artenschutz/08146.html

[15] https://www.dw.com/de/wozu-gibt-die-regierung-millionen-f%C3%BCr-feldhamster-aus/a-44948552

[16] https://www.nature.com/articles/srep25531.pdf

[17] https://www.nationalgeographic.com/animals/2020/07/common-hamster-named-critically-endangered-europe/[18] https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/150-arten-sterben-pro-tag-aus-groesstes-artensterben-seit-ende-der-dinosaurier-zeit-droht-16660249.html